Fragen
Häufig gestellte Fragen zum Velocity40 Framework und der Implementierung.
1. Grundlagen des Frameworks
Frage 1: Warum gerade 40 Stunden?
Antwort:
40 Stunden ergeben sich aus der Standard-Wochenarbeitszeit einer Person.
Es ist ein Referenzwert, der realistische Vergleiche und Planungen ermöglicht.
Wenn jedoch jemand weniger oder mehr arbeitet, spiegelt sich das direkt in seiner Kapazität wider:
- Eine Person mit 37,5 Stunden pro Woche hat 37,5 als Anker, nicht 40.
- Eine Teilzeitkraft mit 20 Stunden hat 20 als Anker.
- Eine Person mit kürzerer Woche (z. B. 30 Stunden) hat 30 als Anker.
Der Kern von Velocity40 liegt nicht in der Zahl selbst, sondern darin, dass jede Person eine fest definierte Kapazität in Zeiteinheiten hat.
Dadurch basiert die Planung auf Realität, nicht auf Eindrücken oder Wünschen.
Frage 2: Warum 40 Stunden und nicht Story Points?
Antwort:
Weil der Kalender auf Zeit basiert.
Meetings, Urlaub und Arbeitstage werden in Stunden und Tagen geplant, nicht in abstrakten Einheiten.
Velocity40 verwendet Zeiteinheiten als universelle Sprache, die jeder versteht: du, dein Team und das Management.
Frage 3: Ist 40 nicht eher Kapazität als Geschwindigkeit?
Antwort:
Ja, die Zahl 40 bedeutet Kapazität, während Velocity das Tempo beschreibt. Das Framework verbindet beides zu einem Ganzen.
- Kapazität ist der Zeitrahmenwie viel Zeit eine Person oder ein Team zur Verfügung hat (z. B. 40 h pro Woche).
- Velocity ist die Menge an Arbeit, die in diesem Zeitrahmen tatsächlich erledigt wird.
Velocity40 verbindet beide Prinzipien:
- „40" steht für die feste Kapazität (Zeitanker).
- „Velocity" beschreibt das Tempo wie viel Arbeit du in diesem Rahmen wirklich lieferst.
Dadurch schafft Velocity40 keine Verwirrung, sondern gibt beiden Begriffen eine neue, praktisch verknüpfte Bedeutung: Erst wenn du von der Kapazität ausgehst, kannst du ein stabiles Liefertempo messen und halten.
Frage 4: Wie starte ich mit Velocity40?
Antwort:
Starte auf FL1, der operativen Ebene.
Teile die Arbeit in konkrete Aufgaben von maximal 8 Stunden.
Schätze sie in Stunden und plane sie in deine Woche mit dem festen Kapazitätsanker (z. B. 40 h).
Sobald du Erfahrung mit deiner eigenen Leistung in der Zeit sammelst, wird diese Leistung vorhersehbar.
Und wenn die Leistung des Einzelnen vorhersehbar wird, dann auch die des gesamten Teams.
FL2 und FL3 nutzt du, wenn es nötig ist beispielsweise bei Prioritäten, Strategie oder großen Initiativen.
2. Schätzungen und Realität
Frage 5: Wenn ich 40 schätze und in 20 liefere, heißt das, ich war schneller als die Zeit?
Antwort:
Nein. Die Zeit läuft immer gleich.
Wenn du 40 geschätzt und in 20 geliefert hast, bedeutet das nur, dass deine Schätzung ungenau war.
Deine tatsächliche Leistung war 20 a das ist der wahre Wert.
Ziel von Velocity40 ist nicht, „die Zeit zu schlagen", sondern die eigene Leistung in der Zeit zu erkennen und so zu schätzen, dass der Plan der Realität entspricht.
So wird deine Leistung vorhersehbar a und damit auch die deines Teams.
Frage 6: Was, wenn ich falsch schätze?
Antwort:
Das passiert a es ist Teil des Prozesses.
Das Ziel ist nicht perfekte Schätzungen von Anfang an, sondern Erfahrung mit der eigenen Leistung in der Zeit.
Jede Abweichung gibt dir Feedback:
- War die Aufgabe kleiner → du erkennst, dass du Ähnliches schneller bewältigst.
- War sie größer → du weißt, dass du beim nächsten Mal mehr Zeit oder eine feinere Aufteilung brauchst.
Mit der Zeit wird deine Leistung vorhersehbar a und damit auch die deines Teams.
3. Flexibilität und Skalierung
Frage 7: Was, wenn sich Prioritäten mitten in der Woche ändern?
Antwort:
Das ist normal. Velocity40 berücksichtigt, dass sich die Welt verändert.
Darum arbeitest du mit einer Granularität von einem Tag jede Aufgabe maximal 8 Stunden.
So kannst du Prioritäten schon am nächsten Tag neu setzen, ohne dass dein gesamter Plan zerfällt.
Das Framework ist nicht starr ist eher ein Tagesrhythmus, der dir Flexibilität für Veränderungen gibt.
Frage 8: Was, wenn jemand im Team krank wird oder Urlaub hat?
Antwort:
Dann reduziert sich die Kapazität gleich wie im Kalender.
Velocity40 macht das transparent: Von Anfang an siehst du, dass weniger Stunden zur Verfügung stehen.
Keine komplizierten Umrechnungen einfach arbeitest du mit einem kleineren Kapazitätsanker.
So bleibt der Plan realistisch und versteckte Überlastung wird vermieden.
Frage 9: Funktioniert Velocity40 auch für große Teams oder ganze Organisationen?
Antwort:
Ja. Velocity40 skaliert sehr einfach:
- Jede Person hat ihren Kapazitätsanker (z. B. 40 h, 37,5 h, 20 h).
- Teams arbeiten mit der Summe dieser Anker.
- Organisationen mit der aggregierten Kapazität über Teams hinweg.
Velocity40 kannst du dir wie „Legosteine der Zeit" vorstellen. Jeder bringt seinen Baustein ein a zusammen ergibt sich die Team- oder Abteilungskapazität.
4. Methoden und Ansätze
Frage 10: Wie passt Velocity40 zu Arbeitsmethoden (agil oder klassisch)?
Antwort:
Velocity40 widerspricht keiner Methode a es ist interpolierbar.
Egal ob agile Methoden (Scrum, Kanban), klassisches Projektmanagement (Wasserfall, PRINCE2) oder Mischformen:
- Scrum sagt dir, wie du iterativ zusammenarbeitest.
- Kanban sagt dir, wie du den Arbeitsfluss visualisierst und steuerst.
- Klassisches Projektmanagement sagt dir, wie du Projekte in Phasen planst.
- Velocity40 ergänzt das um: realistische Zeitplanung.
Es steht also nie im Widerspruch, sondern ergänzt immer.
Unabhängig vom Rahmen bietet Velocity40 den Zeitanker, der Vorhersehbarkeit schafft.
Frage 11: Lässt sich Velocity40 mit Story Points kombinieren?
Antwort:
Im Rahmen von Velocity40 spielen Story Points für Planung und Kapazität keine Rolle. Diese Funktion übernehmen klar EXI/EVI (strategische Ebene) und BVI/EFI (Koordinationsebene).
Velocity40 basiert auf Zeiteinheiten als universeller Sprache, die jeder versteht a vom Einzelnen bis zum Management.
Frage 12: Ist Velocity40 nur für IT-Teams?
Antwort:
Nein. Velocity40 ist universell.
Jedes Team, das mit Aufgaben in der Zeit arbeitet, kann es nutzen:
- Softwareentwicklung
- Marketing
- HR
- Produktion
- Projekt- oder Produktmanagement
Überall, wo du realistisch planen und Vorhersehbarkeit aufbauen musst, macht Velocity40 Sinn.
5. Praktische Situationen und Ausnahmen
Frage 13: Was, wenn Arbeit nie in 8 Stunden passt?
Antwort:
Dann ist das ein Signal, dass die Aufgabe nicht ausreichend zerlegt ist.
Velocity40 lehrt die Disziplin, Arbeit so herunterzubrechen, dass jede Aufgabe maximal 1 Arbeitstag (8 Stunden) hat.
Passt sie nicht in 8 Stunden:
- Zerlege sie in kleinere Teile.
- Definiere einzelne Schritte mit eigenen Verantwortlichen.
- Verfolge ihre Fertigstellung kontinuierlich.
So vermeidest du „schwarze Löcher" a große Aufgaben, die tagelang verschwinden, ohne dass das Team weiß, in welchem Stadium sie sind.
Frage 14: Wie funktioniert Velocity40 in Umgebungen mit viel ungeplanter Arbeit (Incidents, Ad-hoc-Anfragen)?
Antwort:
Velocity40 berücksichtigt auch Umgebungen mit hohem Anteil ungeplanter Arbeit.
Die Lösung: Einen Teil der Teamkapazität als Reserve für Incidents und Ad-hoc-Aufgaben einplanen.
Beispiel:
- Team hat 200 Stunden Gesamtkapazität.
- Typisch fallen 25 % auf Incidents.
- Es plant also nur mit 150 Stunden, der Rest ist Puffer.
Durch kontinuierliches Monitoring weiß das Team, wie viel Kapazität unvorhergesehene Aufgaben verbrauchen a und kann schon bei der Planung mit reduzierter Kapazität arbeiten.
Das bringt zwei Vorteile:
- Unerwartete Arbeit wird erwartbar a es gibt Raum dafür.
- Geplante Arbeit wird nicht endlos verschoben a sie hat klaren Rahmen.
Velocity40 ermöglicht also Planung mit realistischer Kapazität und Vorhersehbarkeit selbst in chaotischen Umgebungen.
Frage 15: Sind 40 Stunden nicht zu optimistisch, wenn wir so viele Meetings haben?
Antwort:
40 Stunden sind ein Rahmen, aber das heißt nicht, dass die ganze Woche frei für Fokusarbeit ist.
Jedes Team muss auch Zeit für Meetings, Kommunikation und Koordination berücksichtigen.
Wenn du z. B. feststellst:
- 15 Stunden pro Woche gehen für Kommunikation drauf,
- 25 Stunden bleiben für Fokusarbeit,
dann ist 25 deine reale Kapazität.
Velocity40 führt dich zu dieser Selbstreflexion. Statt Annahmen arbeitest du mit Realität.
Das Framework zwingt dich nicht in „künstliche 40 Stunden", sondern hilft dir, deine wahre Kapazität zu finden.
6. FAQ-Zusammenfassung
Die FAQ zeigen: Velocity40 widerspricht keiner Arbeitsmethode.
Im Gegenteil a es basiert auf einer einfachen Wahrheit: Zeit ist der einzige echte Anker, den wir haben.
Sobald wir ihn teamübergreifend nutzen, entstehen Vorhersehbarkeit und Ruhe in der Planung.
Damit ist Velocity40 einsetzbar in agilen wie auch klassischen Umgebungen, für kleine Teams wie für ganze Organisationen.